14.04.2009

Magische Momente der Bewunderung

Goch. Es ist nicht immer nur die Musik,mit der Künstler begeistern. Oftmals ist es ihre Persönlichkeit selbst, die schillert, die strahlt, fasziniert und eine ganze Zuhörerschaft in ihren Bann zieht. Es sind die Bilder und kleinen Gesten, die ein Konzert zu einem besonderen Erlebnis machen. So, wie das Abschlusskonzert der Gocher Streicher-Akademie Stringtime im Gocher Kastell. Da betrat die kleine Emilia Jarocka aus Polen die Bühne. Ein zartes, Mädchen von zehn Jahren. Schüchtern, hübsch zurecht gemacht im rotenGlitzer-Kleidchen. Als sie aber zum ersten Ton des Praeludiums von Kreisler ansetzte, da strotzte sie vor Kraft und Sicherheit. Sie entlockte ihrem Instrument den vollen Klang und überraschte das Publikum.


Disziplin und Reife

Genau wie Christa Stangorra, die mit ihren 15 Jahren den Mut besaß, ganz alleine, ohne Klavierbegleitung Telemanns Fantasie Nr 9. in H-Moll zu spielen. Ein magischer Moment, wie sie mit einem zufriedenen Lächeln nach dem letzten Ton erleichtert und beschwingt den Bogen in die Luft hob und so die Totenstille und
Spannung im Saal auflöste. Und dann war da noch die 16-jährige Zuzanna Sosnowska, die bei der Moses-Fantasie von Paganini nur so vor Leidenschaft sprühte, ihr Cello streichelte und den Bogen über die A-Saite springen ließ. Momente voller Zauber und Bewunderung für diese jungen Menschen, die trotz jugendlicher Frische so diszipliniert und reif erscheinen und alle eins teilen: Die Leidenschaft für die Musik. Diese Gemeinsamkeit demonstrierten sie im zweiten
Teil des Konzertes eindrucksvoll als Trinationales Streichorchester Stringtime unter Leitung von Gotthard Popp. Die 64 Teilnehmer luden ein zu einer musikalischen Zeitreise, angefangen bei den barocken Klängen von Händel (Concerto grosso B-Dur), über Mozarts Divertimento III FDur und Bartoks frische Rumänische Volkstänze, bis hin zu einem zeitgenössischen Ohrenschmaus von Kilar, der Orawa für Streichorchster.

Vertraute Gesichter

Und noch etwas bestimmte die heimelige Atmosphäre der Stringtime: Die vertrauten Gesichter. Schon seit fünfzehn Jahren sitzen die polnischen Dozenten Antoni Brozek und Krystina Makowska-Lawrynowicz hinterm Flügel, um ihre Schützlinge zu begleiten. Nicht wegzudenken ist Kulturbühnenleiter Helmut Lintzen. Einer fehlte jedoch: Violinpädagoge und Mit-Initiator Georg Michel konnte wegen Krankheit beim großen Abschluss nicht dabei sein. Moderator
Bogdan Kubiak sendete Genesungswünsche ins Bocholter Krankenhaus. Ansonsten verlief das Jubiläumsjahr, das mit 64 Teilnehmern auch ein Rekordjahr ist, dank vieler helfender Hände wie immer gut. Bürgermeister Karl-Heinz Otto dachte schon weiter: „Wir hoffen, Sie alle im nächsten Jahr wieder begrüßen zu können”, bewarb er bereits die Fortsetzung der erfolgreichen Streicher- Akademie, die nun schon seit 15 Jahren in der Weberstadt beheimatet ist.

Quelle: NRZ